Meditation – Unsere Ebenen des Seins verbinden

In Achtsamkeit uns selbst umarmen

„Savasana“:

Wir liegen mit geschlossenen Augen ruhig am Rücken, unsere Atmung ist entspannt und langsam und bewegt uns von innen. Wir sinken tiefer, werden still. Unsere Gedanken dürfen wir einfach ziehen lassen, einfach sein. Wohlgefühl pur!

Nach einigen Minuten holt uns die Yogalehrerin zurück. Wir sitzen mit unseren Händen beim Herzen und grüssen einander in Namasté. Tiefer Frieden in uns.

Wir rollen unsere Matte auf und verlassen die Yogaklasse – dabei wäre jetzt der beste Zeitpunkt, um in Meditation innezuhalten.

Yin Yoga Wien Meditation
Meditation als Abschluss unserer Yin Yoga Praxis – Chiaradina in Malibu, CA

Was ist Meditation und wie kann sie uns helfen?

Meditation stammt von dem lateinischen Begriff meditatio ab. Dieses „NACHDENKEN, NACHSINNEN, ÜBERLEGEN“ ist eine in vielen Religionen und Kulturen ausgeübte spirituelle Praxis, die durch ACHTSAMKEITS- ODER KONZENTRATIONSÜBUNGEN den Geist beruhigen und sammeln will.

In östlichen Kulturen gilt die Meditation als eine grundlegende und zentrale bewusstseinserweiternde Übung. Die angestrebten Bewusstseinszustände werden, je nach Tradition, mit Begriffen wie Stille, Leere, Panorama-Bewusstsein, Einheit, im Hier und Jetzt sein oder frei von Gedanken sein beschrieben. Dadurch werde die Subjekt-Objekt-Spaltung (Begriff von Karl Jaspers) überwunden.

Theoretisch hört sich das ja alles wunderbar an – doch wie hilft das uns im täglichen Leben? Warum ist die Meditation für unsere geistige und spirituelle Weiterentwicklung eines der wichtigsten Ziele auf unserem Weg der Entfaltung?

Das stille Zentrum („still point“) wiederfinden

Egal ob in unserer Yogapraxis oder im täglichen Leben: Wir sind einem ständigen Wandel von Formen, Situationen und verschiedenen Energien ausgesetzt. Durch das still werden und nach Innen gehen nehmen wir unsere Wahrnehmung zurück zu uns selbst und können durch eine ruhige Atmung einen inneren Raum öffnen. Dort finden wir Klarheit über was gerade passiert. In dieser „Ruhe inmitten des Sturmes“, können wir erfahren, wie UNSER BEWUSSTSEIN, JENSEITS DER TRENNUNG ZWISCHEN PERSONEN UND ENERGIEN, funktioniert und wie wir uns – zum höchsten Wohle für alle Beteiligten – verändern wollen.

Subtilere Bewegungen in uns unbeeindruckt beobachten lernen

Durch das Eintreten in unseren inneren, stillen Raum wird unsere Wahrnehmung verfeinert. Wir kommen zu einem ruhigen Erkennen, zu welchen emotionalen oder mentalen Mustern wir zurückkehren, wenn wir bestimmte Situationen im Aussen erfahren. Diese Klarheit der tieferliegenden Zusammenhänge ermöglicht uns, VERÄNDERUNGEN VON INNEN BEGINNEN ZU LASSEN und unser eigenes Verhalten in den Situationen konstruktiv anzupassen. So können wir uns aus der Endlos-Schleife, in der wir uns gefangen fühlen, befreien.

Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Ebenen in uns

Vielleicht ist das Eintauchen in uns selbst am Anfang ein wenig beängstigend. Auf einmal werden wir mit einer Vielzahl an Gefühlen und Gedanken konfrontiert, die wir normalerweise in unserem täglichen Leben nicht bewusst wahrnehmen können. Wenn wir beginnen zu meditieren, ist es hilfreich, eine Landkarte unserer inneren Welten mit auf unsere Reise zu nehmen. Dadurch bekommen wir eine klare Struktur wo wir uns befinden und an was wir arbeiten.

So wie es in unserem physischen Körper Organe und ihre dazugehörigen Netzwerke gibt, existieren auch in unseren emotionalen und mentalen Welten bestimmte archetypischen Systeme.

Als menschliches Wesen leben wir stark vereinfacht gesprochen in 3 Welten, die sich alle durch gegenseitige Wechselwirkungen beeinflussen:

  • DIE KAUSALE WELT definiert sich als die essentielle Ursache eines Motives, eines Gedanken oder einer Idee, die unser Handeln in eine bestimmte Richtung lenkt.
  • DIE ASTRALE WELT unserer Gefühle, die den nötigen emotionalen Treibstoff bereitstellt, um unser Motiv zu verwirklichen und Ideen umzusetzen. Erst durch den starken Wunsch, etwas tun zu wollen, handeln wir.
  • DIE PHYSISCHE, KÖRPERLICHE EBENE die als Instrument und Verbindungsglied zwischen diesen beiden vorherigen Welten verstanden werden kann. Sie ist gleichzeitig Nährboden und Bühne für die erfolgreiche Umsetzung einer geistigen Inspiration.

In der Meditation können wir in Verbindung mit einem bewussten, ruhigen Atem unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Zentren im physischen Körper lenken und wahrnehmen, welche Emotionen oder Gedanken dabei in den Vordergrund treten. UNSERE WIRBELSÄULE IST DIE WICHTIGSTE „UMSCHALTZENTRALE IN DIESER VERBINDUNG ZWISCHEN GEDANKEN, GEFÜHLEN UND KÖRPER. Eine aufrechte, physische Basis – das Stillhalten der Wirbelsäule in einer geraden, nach oben verlängerten Position – bildet das Fundament für einen ehrlichen, „aufrichtigen“ Zugang zu unseren emotionalen Zuständen und mentalen Konzepten. Wir finden den Raum, diese wertfrei zu betrachten und Zusammenhänge zwischen physischen Symptomen, Gefühlen und den dahinter liegenden Gedanken zu erkennen und heilsam zu verändern.

Yin Yoga als sanfte Brücke zwischen Asana Praxis und Meditation

Die Yin Yoga Praxis hilft uns, den Mut für Stille zu kultivieren. WÄHREND UNSERER LANGEN, RUHIGEN ZEIT IN DEN VERSCHIEDENEN YIN YOGA STELLUNGEN VERLIEREN WIR UNSERE INNERE UNRUHE UND KÖNNEN UNS AUF UNS SELBST EINLASSEN. Wir lernen uns von innen heraus wahrzunehmen und unsere physischen oder emotional/mentalen Widerstände sanft anzunehmen um unsere Grenzen zu erweitern.

Meditation im täglichen Leben

Haben wir einmal gelernt, unsere Wahrnehmung bewusst nach Innen zu lenken und unsere Gefühle und Gedanken mit mehr Distanz zu betrachten, kann Meditation immer und überall stattfinden. DER SCHLÜSSEL DAZU IST ACHTSAMKEIT UN EIN BEWUSSTES WAHRNEHMEN UNSERES KÖRPERS UND UNSERES ATEMS.

Werden wir ungeduldig und aggressiv beim Warten an der Supermarktkassa spüren wir den Boden unter unseren Füssen und atmen lang und tief in unseren Bauch.

In Auseinandersetzungen in Beziehungen können wir einen ruhigen Atmen nutzen, um Klarheit in unseren eigenen Emotionen zu finden. Wir erkennen, wo wir noch in eigenen Gedankenkonzepten gefangen sind, die diese Beziehung negativ beeinflusst und können Projektionen zurücknehmen. Bevor wir vorschnell einen Vorwurf machen, halten wir inne. Wir nehmen uns den Raum den wir brauchen um danach in Klarheit wieder in Kontakt treten zu können.

Sind wir zu viel im Kopf und unsere Gedanken rasen, können wir uns in den Moment begeben und ruhig unseren Geist auf die Erledigung der vor uns liegenden Aufgabe fokussieren. Egal ob wir Geschirr abwaschen oder staubsaugen: Wir können wieder lernen, unseren Atem wahrzunehmen und unseren Körper zu fühlen. Wir nehmen die Geräusche des plätschernden Wassers oder das Gefühls des Staubsaugers, wie er über den Boden gleitet, wahr. Dadurch beruhigt sich unserer Geist und kann sich von alleine ordnen und klären, ohne dass wir fieberhaft nach einer Lösung suchen müssen.

Kehre immer wieder geduldig zurück, zu Deinem freien, inneren, leeren Raum.

Manchmal muss man vorher noch Dinge bewusst hinauswerfen um ihn leer zu machen, manchmal ist er von ganz alleine lichtdurchflutet und leicht. Mit der Zeit hast Du auch keine Anhaftung mehr daran, wie „gut“ Du in „Deiner“ Meditation bist, wenn Du die Grenze zwischen Dir als definierter Person und als Bewusstsein überschreitest. So wie bei der Asana Praxis: Die Übung machts! Namasté, friend of all!